Eröffnungsanalyse England
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von Christian Wolbert (webmaster@christian-wolbert.de)
 

Anmerkung: Diese und weitere Informationen über Diplomacy sind auch auf Christians Website zu finden. Vor allem für Einsteiger lohnt es sich, dort mal vorbeizuschauen.

Strategie ist der langfristige Plan, mit der man versucht seine Interessen umzusetzen. Die Wahl der Eröffnung ist der erste Schritt dazu. Dieser Artikel soll die Ideen, sowie die Vor- und Nachteile verschiedener Eröffnungen veranschaulichen.

Egal, welche Eröffnungspläne England verfolgt, die Nordsee ist die Drehscheibe für Angriff und Verteidigung. Eine Flotte gehört immer dort hinein! Im ersten Jahr stellt sich schon die Frage, ob man direkt in die Kontinentalpolitik eingreifen sollte, oder erst in Skandinavien expandiert. Analysieren wir die Möglichkeiten:


1. Die Standard-Eröffnung: F Lon - Nth, F Edi - Nrg, A Liv - Edi

Diese Eröffnung ist wohl am flexibelsten. Ziel ist es, sich Norwegen zu sichern. England hält sich hierbei offen, wie er es zu tun gedenkt:

1) F Nrg c A Edi - Nwy; A Edi - Nwy
2) F Nth c A Edi - Nwy; A Edi - Nwy
3) F Nrg - Nwy

Man sieht, warum die A eigentlich nach Edi gehört: Weil von dort aus beide Flotten imstande sind, einen Konvoi durchzuführen. Je nach Situation könnte die Flotte in der Nordsee auch die Einheit direkt auf den Kontinent bringen. Belgien wäre sicherlich ein guter Ausgangspunkt für die englischen Interessen.

Wie geht es im Herbst weiter?

  

a) Angriff auf Russland:

F Nrg - Bar
F Nth c A Edi - Nwy
A Edi - Nwy

Vorausgesetzt, Frankreich wird nicht im Ärmelkanal aktiv, kann England seine Einheiten Richtung Osten werfen. Die Unterstützung Deutschlands wäre hilfreich, damit dieser den Russen in Swe blockiert. Ziel ist es, St Pet. zu erobern; einmal in englischer Hand, kann Russland keine Flotten im Norden aufbauen, die England gefährlich werden können. Ob man direkt mit der Armee aus Nwy angreift oder sich erst Schweden holt, oder nach Finnland zieht, um eine weitere Einheit nach Nwy zu bringen hängt ganz von den Umständen ab.

  

b) Kontinentale Expansion:

F Nrg - Nwy
F Nth c A Edi - Bel
A Edi - Bel

Ideal ist es, wenn Deutschland Frankreich angreift, in dem er nach Burgund zieht, oder Frankreich selbst von Par nach Bur zieht, um seinerseits gegen Deutschland vorzugehen. Diesen Konflikt kann England geschickt nutzen. Niemand kann Belgien streitig machen und mit dem Aufbau zweier neuer Einheiten (F Lon + F/A Edi oder F Liv) kann England schnell in den Konflikt eingreifen. Ein Nachteil besteht aber darin, dass die Flotte in Nwy auf sich alleine gestellt ist. Gut, aber wie weiter? Am Erfolg versprechendsten wäre eine Kooperation mit Deutschland gegen Frankreich und Russland, man könnte notfalls Belgien gegen Schweden anbieten:

Aufbau: F Lon, A Edi
F1902: F Nth c A Edi - Nwy; F Nwy - Swe; F Lon - Eng; A Edi - Nwy; A Bel - Pic

Natürlich wäre auch ein Angriff gegen Deutschland möglich. Ist ja alles Verhandlungssache. Eine andere Überlegung wäre es zwei Flotten aufzubauen (Lon + Liv). Die Idee wäre es, möglichst schnell Mat zu erobern, das einen natürlichen Blockadepunkt darstellt.

  

c) Verteidigung gegen Frankreich:

Wenn Frankreich im F1901 gegen England ziehen sollte, kommt es zu folgenden Situation (Diagramm). Es droht:

a) F Eng - Lon bzw. F Eng c A Pic - Lon
b) F Eng - Wal bzw. F Eng c A Pic - Wal

Der Zug F Nth - Lon ist fast erzwungen, denn darauf zu spekulieren, dass Frankreich nicht nach London zieht, wäre tödlich, falls dieser es doch tut. Auf jeden Fall muss Norwegen genommen werden. Obwohl die Armee in Edi besser geeignet wäre, eine französische Invasions-Armee zu bekämpfen, würde ich bevorzugen, die Armee nach Norwegen zu konvoien. Hintergrund wäre folgende Variante:

F: A Pic - Bel; F Eng - Nth
GB: F Nth - Lon; F Nrg - Nwy; A Edi - Yor

Und Frankreich kontrolliert die Nordsee! Um den Franzosen aus Nth zu vertreiben, sind alle Flotten notwendig. Dies bedeutet aber, Norwegen ohne Besatzung zurückzulassen. Ein gefundenes Fressen für Russland. Daher:

H1901: F Nth - Lon; A Edi - Nwy; F Nrg c A Edi - Nwy


2. Die Ärmelkanal-Offensive: F Lon - Eng, F Edi - Nth, A Liv - Wal

In dieser Konstellation bereitet sich England auf die Invasion auf den Kontinent vor. Grundlegende Idee dieser Strategie ist es, die Armee sofort auf den Kontinent zu übersetzen. Dazu bieten sich Bre, Pic und Bel an. Für Bel kann die Flotte in Nth sogar einen Support bieten, falls sie es nicht vorzieht Nwy zu erobern. Ausgehend von diesem Aufmarsch möchte ich die verschiedenen strategischen Möglichkeiten unter die Lupe nehmen.
  

a) Belgische Annektierung:

Eine Landung britischer Truppen in Belgien droht, sowie die Einnahme von Brest. Beide Pläne können nur zunichte gemacht werden, wenn Deutschland und Frankreich eng zusammenarbeiten:
F: F MAt - Bre; A Pic - Bel
D: A Ruhr s A Pic - Belgien

Ist das nicht der Fall, kann England sich Belgien einverleiben:
A Wal - Bel
F Eng c A Wal - Bel
F Nth s A Wal - Bel

Für Frankreich ist es meistens ratsamer, Bre zu schützen und sich statt dessen durch Por und Spa zwei neue Einheiten zu holen, um den Angriff wirksam abblocken zu können. Nach dem Aufbau zweier Armeen in Mar und Par, wird es schwer sein im Landesinneren weiter zu kommen. Der Vorteil liegt aber darin, dass England weiterhin uneingeschränkt als Flottenhoheit agieren kann und durch den Aufbau F Liv schnell Por und Spa bedroht.

Wie soll es weitergehen? Das hängt davon ab, welchen Gegner man sich auf dem Kontinent aussucht!

a) Frankreich
Aufbau einer Flotte in Liv und diese nach MAt überführen. Gleichzeitig mit Deutschland den Druck im Zentrum aufrechterhalten. Beispiel:
F 1902: F Liv - Iri, F Eng - Mat, A Bel - Pic, F Nth - xxx (Nwy)

b) Deutschland
Was spricht gegen:
F 1902: A Bel - Hol, F Nth s A Bel - Hol, F Eng - Bel ???
Nichts, vor allem, wenn sich Deutschland schon aktiv gegen Frankreich gewandt hat und Russland in Swe blockiert hat, wird er nicht so leicht Hilfe erhalten.

  

c) Konfliktübertragung!
Ein Problem ist es, dass man mit der Einheit in Bel meistens nichts rechtes anfangen kann. Als Lösung des Dilemmas bietet sich die Eroberung Norwegens an! (Diagramm 2)
F 1902: A Bel - Nwy, F Nth c A Bel - Nwy, F Eng - Mat, F Liv - Iri
Man bietet Deutschland Belgien im Austausch gegen Schweden an (H1902: F Den s A Nwy - Swe, A Nwy - Swe, F Nth - Nwy). Damit hat man elegant Deutschland und Frankreich in einen direkten Konflikt getrieben und man kann in Ruhe die Flottenexpansion weiter betreiben.

  

b) Schnelle Truppenmassierung:

Eine Variante besteht darin, dass England selbst keinen Support bei der Eroberungen Bel gibt, sondern dies von Deutschland geschehen lässt. Dann könnte Norwegen erobert werden. Der Vorteil ist, man kann sofort 2 Einheiten aufbauen (F Liv, A Lon). Allerdings befinde ich diese Variante insgesamt als nachteilig. Aus folgenden Gründen:

1) Die Nordsee steht frei
2) Die Flotte in Norwegen eignet sich nicht gut für die Eroberung Skandinaviens
3) Die Einheiten sind unkoordiniert und arbeiten schlecht zusammen und müssen erst zeitraubend umgruppiert werden.

Aber es ist spielbar, man muss nur darauf vertrauen, dass Deutschland weiter zusammenarbeitet.

  

Kollision im Ärmelkanal

Sollte sich auch Frankreich entschließen, im Frühjahr 1901 in den Kanal zu ziehen, entsteht eine für England nicht ganz so glückliche Situation (s. Diagramm):

Die Einheit in Wales steht nutzlos herum. England muss mit der Flotte Nwy erobern. Die Flotte in Lon blockiert einen möglichen Aufbau im Herbst. Am besten wäre dann noch die Zugfolge:

H1901: F Nth - Nwy, F Lon - Nth, A Wal - xxx (Aufbau: F Lon)

Frankreich kann natürlich problemlos F Bre - Eng spielen und nach dem Aufbau einer F Bre sieht sich England schon dem Angriff:
F Eng - Iri, F Bre - Mat, A Pic - Bre
ausgesetzt.


(3) Die Gürtel-Strategie: F Lon - Eng, F Edi - Nth, A Liv - Yor

Bei dieser Eröffnung ist es das Ziel, vom Mittelatlantik her über den Kanal möglichst schnell einen Flottengürtel zu etablieren, der die nördlichen Gewässer schützt.

Wie bei der Ärmelkanal-Offensive, stehen die Einheiten bereit, auf dem Kontinent schnell einzugreifen. So hätte man nach der Zugfolge:

GB: A Yor - Bel, F Nth c A Yor - Bel, F Eng s A Yor - Bel

dieselbe Stellung erreicht, wie in einer der Hauptvarianten der oben angeführten Eröffnung. Diese möchte ich hier nicht noch mal betrachten. Schauen wir uns die Ideen dieser Strategie an, die es sich zum Ziel setzt, einen soliden Flottengürtel aufzubauen.

  

a) Besetzung MAt's

Die Empfehlung für Frankreich im H1901 bei der Ärmelkanal-Offensive waren die Züge:

F: A Pic - Bre, F MAt - Por
Aber mit
GB: F Eng - MAt, A Yor - Nwy, F Nth c A Yor - Nwy

entsteht eine Situation, die für England sehr vorteilhaft ist (Diagramm). In Nwy steht eine Armee bereit, zusammen mit Deutschland die weitere Eroberung Skandinaviens durchzuführen; Nth bleibt unter der Kontrolle Englands und die Flotte in MAt blockiert zuverlässig diesen kritischen Punkt. Dadurch, dass Bre besetzt ist, kann Frankreich auch keine Flotte dort aufbauen, um England aus dem Kanal zu vertreiben, und der Aufbau einer Flotte in Mar wäre zu langsam. Ein Vorteil für England. Wie sieht die logische Fortführung des Planes aus? (Siehe nächstes Diagramm). Logischer Aufbau für England ist F Lon. Zusammen mit Deutschland kann die Verwirklichung der Pläne vorgenommen werden.

  

F1902:
GB: F MAt - Por, F Lon - Eng, A Nwy - Swe
D: A Mun - Bur, A Bel - Pic, A Hol - Ruhr, F Den s A Nwy - Swe

Solange England Deutschland als verlässlichen Bündnispartner hat, ist die weitere Eroberung von Spa und Por nur noch eine Frage der Zeit. Dem hat Frankreich nichts eigenes entgegen zu setzen. Die einzige Gefährdung für England liegt im Norden Russlands: St. Petersburg. Es kommt also darauf an, neben der Eroberung Brests (damit F dort keine Flotten aufbauen kann) auch St. Petersburg unter die eigene Kontrolle zu bringen.

  

b) Kollision im Ärmelkanal

Betrachten wir uns den Fall, dass es im F 1901 nicht so klappt wie gewünscht, einfach weil Frankreich ebenfalls auf die Idee gekommen ist, die Flotte in den Ärmelkanal zu ziehen. Die Konstellation ist ebenfalls für England nicht ungünstig, kann es doch Frankreich vorwerfen, einen Angriffsversuch gestartet zu haben; welch passender Vorwand für eine Kriegserklärung. Nwy wird von der der Einheit in Yor besetzt und Frankreich kann England den Einzug in den Kanal nicht verwehren, spätestens im F1902 gibt die Flotte in Nth den entscheidenden Support. Noch entscheidender ist es, dass Frankreich, falls Bel blockiert wird, er nur eine Einheit wird aufbauen können. Eine Einheit, die ihm dringend bei der Verteidigung fehlen wird! Wie gesagt, eine vorteilhafte Ausgangssituation. Aber nur, wenn Deutschland mitspielt. Also immer daran denken, entsprechende diplomatische Verbindungen zu halten.

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