Mit Frankreich solide eröffnen
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von Dominik Panic (dominik_panic@hamburg.de)
 

Die Motivation für diesen Artikel faßte ich nach einem Artikel über Frankreich, der vom amtierenden deutschen Meister André Ilievics in einer vorigen Ausgabe des deutschen Pouch verfaßt wurde und in dem zahlreiche Eröffnungsvarianten für Frankreich vorgestellt wurden. Leider ist dabei die meiner Ansicht nach stärkste und solideste Eröffnung nicht erwähnt worden, und da ich nach Recherchen in der Eröffnungsdatenbank vom Diplomatic Pouch nicht einmal einen eigenen Namen für diese Variante gefunden habe, beschloß ich hiermit, etwas Werbung für meine persönliche Lieblingseröffnung mit Frankreich zu machen.

Es handelt sich hierbei um die Eröffnungszüge:
F Bre-MAt
A Par-Bur
A Mar-Bur

Der wichtigste Vorteil liegt wohl offen auf der Hand. Es ist eine sehr sichere Eröffnung im taktischen Bereich, dennoch hält man sich alle Optionen offen. In Deutschland gab es zuletzt einige Diskussionen, warum bei den deutschen Meisterschaften Frankreich so katastrophal abschneidet, obwohl es an sich eine gut spielbare Nation ist. Ich denke, ein Grundproblem ist die Tatsache, daß man häufig als Franzose den Zug nach Burgund im ersten Jahr nicht spielen mag. Der Grund dafür ist, daß man damit enorme diplomatische Spannungen mit dem deutschen Reich aufbaut, die man im allgemeinen nicht herbeiführen will. Das führt aber dazu, daß viele Frankreichspieler im ersten Zug vom Einmarsch der Armee München nach Burgund böse überrascht werden. Das bedeutet dann häufig schon den Anfang vom Ende. Und genau darin liegt der entscheidende Vorteil dieser Eröffnung. Man sichert Burgund im ersten Zug, ohne Mißtrauen beim deutschen Nachbarn zu erzeugen. Gleichzeitig ist die Armee Paris im Herbst verfügbar, um Brest zu sichern, falls England eine Flotte in den Kanal beordert hat. Unter der Voraussetzung, daß Italien nicht nach Piedmont gezogen ist - was im Allgemeinen selten vorkommt und sich auf diplomatischem Weg meist verhindern läßt - kann Frankreich somit sicher die iberische Halbinsel erobern, sein Kernland schützen und im ersten Jahr auf die sinnvolle VZ-Anzahl von 5 kommen.

Der einzige erwähnenswerte Nachteil ist die Tatsache, daß Belgien im ersten Jahr nicht erobert werden kann. Meiner Meinung nach ist dies aber kein wirklicher Nachteil. Die Folge eines Frankreichs mit 6 Zentren im ersten Jahr wäre ohnehin, daß sich alle zusammentun würden, um seine rasche Ausdehnung aufzuhalten. Ich denke, Frankreich hat so viele Perspektiven, daß der diplomatische Vorteil, den ein Verzicht auf Belgien mit sich bringt, viel bedeutender ist. Außerdem entgeht man mit dieser Eröffnungsvariante dem Problem, sich schon zum Herbst frühzeitig für eine Kriegspartei im Westen entscheiden zu müssen, da man keine Unterstützung für Belgien geben kann, weil keine Einheit in Reichweite ist.

Vielmehr nutzt man die Vorteile der Eröffnung, um sich ein genaueres Bild über die Nachbarn zu machen. Zum Beispiel ist es nicht unbedingt notwendig, die genauen Züge auf den Tisch zu legen, sondern im allgemeinen reicht es aus, mit Deutschland eine Einigung zu erzielen, daß man Bur frei läßt. Wenn der deutsche Nachbar nun zu den Schurken gehört, die sich daraus einen Vorteil erhoffen, und versucht, nach Bur zu ziehen, so wird er wegen dem Bounce der Armeen Mar und Par keinen Erfolg haben, aber nun ist man vor der mangelnden Loyalität des deutschen Nachbarn gewarnt. Deutschland bestraft sich mit solch einem Versuch selbst, da es nun im Herbst selbst keinen Zugriff mehr auf Bel hat. Ich betone hiermit noch einmal, daß man sich mit dem Bounce der eigenen Armeen selbst strikt an die Abmachung gehalten hat, Burgund freizulassen.

Ähnlich sieht es an der Grenze zu England aus. Wenn der König nach dem Frühjahrszug im Kanal steht, kann er im Herbst nur einen vergeblichen Angriff auf Brest versuchen, der von Par gebounct werden kann. Er straft sich sogar selbst mit dem Versuch, im Herbst nach Bre zu ziehen, weil durch den Bounce mit der A Par Frankreich nun im freien Brest eine weitere Flotte nachbauen kann. Wie gesagt, dies nur für den Fall, daß England nach dem Frühjahrszug im Kanal steht, ansonsten bleibt Brest ohnehin für einen potenziellen Aufbau frei.

Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, daß der entscheidende Vorteil gegenüber anderen französischen Eröffnungsvarianten, die ebenso eine taktisch sichere Eröffnung versprechen (wie zum Beispiel die Maginot-Eröffnung oder das von Chris Warren vorgestellte Iberische Gambit) darin liegt, daß man sich diplomatisch eine viel bessere und flexiblere Position offen hält. Man verärgert nicht gleich den Deutschen wie bei der Maginot-Eröffnung und ist ihm gegenüber auch nicht so offen wie beim iberischen Gambit, wo man sich indirekt schon auf einen Krieg gegen England oder Italien vorbereitet, da der Vorteil dieser Eröffnung ja gerade in der frei geschaffenen Kapazität in Form der Flotte liegt. Man steht sicher, diplomatisch nach allen Richtungen offen, läßt D und E über Belgien streiten, und kann dann aus dieser soliden Ausgangssituation heraus in das Geschehen eingreifen.

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