Das Blue Water Lepanto
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von Manus Hand (manus@diplom.org)

ÜBERSETZT VON TIMO MÜLLER
 

EINFÜHRUNG

Es überrascht mich ein wenig, daß Eröffnungen immer noch ein fruchtbares Feld für neue Ideen zu Diplomacy zu sein scheinen. Es ist sogar noch überraschender, daß es manchmal passiert, daß ich selbst etwas in diesem Gebiet beitragen kann. Ich meine, selbst wenn es wirklich taktische Eröffnungen gibt, die neu diskutiert werden sollten, ich bin ja kein Edi Birsan, zu dessen Verdiensten das Lepanto (die typische italienische Eröffnung) und das Sealion (deutsch) (das im E-Mail-Diplomacy ein ziemlich durchschaubar geworden ist, seit es hier zum ersten Mal veröffentlicht wurde) gehören.

Meine eigenen Beiträge zum Gebiet der bekannten Eröffnungszüge sind weit weniger beeindruckend. Ich habe es auf mich genommen, alle Eröffnungen zu kategorisieren und zu katalogisieren und sie in der Diplomatic Pouch Library of Diplomacy Openings verfügbar zu machen, und dabei habe ich mir die Freiheit genommen, einige der bisher unbenannten Eröffnungen mit Namen zu versehen. Etwas eher ein ursprüngliches Verdienst ist das von mir entwickelte Slingshot Juggernaut, eine russisch-türkische Finte.

Die Eröffnung, die dieser Artikel zum Thema hat, ist nicht allein mein Verdienst. Diese Eröffnung, die ich Blue Water Lepanto nenne, war das Ergebnis meiner Betrachtungen einer Situation, die andere geschaffen hatten. In einem Spiel, das ich leite, haben der Österreicher und der Italiener wie unten beschrieben eröffnet, und ich habe das als hervorragende Taktik für Österreich gesehen (oder zumindest als hervorragenden Stoff für einen Pouch-Artikel!). Wie sich später herausstellte, hatte der sich Österreicher einen Plan, wie ich ihn unten beschreibe, so nicht überlegt, und daher entwickelte sich das Spiel nicht entlang dieser Linie, aber das hielt mich nicht davon ab, daran zu denken, daß es so verlaufen sein könnte...

HINTERGRUND

Sehr lange Zeit - eigentlich seit seiner Entwicklung in den 1960ern - wurde das Lepanto als ausschließlich italienischer Zug betrachtet. Jeder Türke macht sich Sorgen über das Lepanto, so sehr, daß sogar Varianten (z.B. das Key Lepanto) entwickelt wurden, um ein Lepanto zu verstecken. Sinnigerweise könnte das Blue Water Lepanto, das ich in diesem Artikel beschreibe, vielleicht als eine weitere dieser Varianten gesehen werden.

Trotzdem ist die italienische Eröffnungstaktik kürzlich ein wenig betrachtet worden. Das beinahe ausschließliche Vertrauen auf das Lepanto ist kritisch überprüft worden, und tatsächlich geht der aktuelle Trend in E-Mail-Spielen weg vom Lepanto. Diese Kurskorrektur scheint von der Veröffentlichung von Leif Bergmans Go Fasta Go Fasta-Methode für einen italienischen Sieg beschleunigt worden zu sein. Vor kurzem hat Paul Windsors Betrachtung des Spielplans (in seinem Artikel "Geography is Destiny" [deutsch]) einige Vorschläge Bergmans bestärkt.

Im Hinblick auf dem Trend, der also hin zu einem schnelleren Start für Italien geht, kann das Blue Water Lepanto als ein Weg gesehen werden, ein bißchen gegen den Strom zu schwimmen. Es ist vor allem für diejenigen Spieler interessant, die von einem selbstsicheren Italien am meisten bedroht werden. Denn das Blue Water Lepanto ist keine italienische Eröffnung, es ist eine österreichische Eröffnung.

In Wirklichkeit ist das Blue Water Lepanto natürlich (wie man schon aus seinem Namen sehen kann) eine österreichisch-italienische Eröffnung, aber ich nenne es eine österreichische Eröffnung, weil sie nur von Österreich ausgeführt wird. In der Tat ist es entscheidend für die Eröffnung, daß Italien über Österreichs pro-italienische Absichten nicht informiert wird. Ja, das ist richtig. Es ist eine Eröffnung, die sowohl Österreich als auch Italien nützen soll, aber eine, bei der alle Entscheidungen von Österreich getroffen werden, während Italien über Österreichs wahre Ziele im Unklaren gelassen wird.

DAS ERSTE JAHR

Beim Blue Water Lepanto ist die erste Aufgabe für Österreich, sicherzustellen, daß Italien mit einem klassischen Lepanto eröffnet. Das ist normalerweise nicht schwierig, aber es ist von überragender Bedeutung, daß Italien sich einverstanden erklärt, mit A Ven H, A Rom-Apu, F Nap-Ion zu eröffnen (oder mit einer geringfügigen Abwandlung, z.B. Western Lepanto oder Anti-Hedgehog-Lepanto).

Österreich sollte in sehr entschiedenen Worten von einer starken österreichisch-italienischen Freundschaft reden und dabei versprechen oder zumindest andeuten, daß er mit dem Balkan Gambit eröffnen wird (F Tri-Alb, A Bud-Ser). Wenn die ersten Züge nahen, eröffnet Österreich trotzdem anders - mit einer Blue Water-Eröffnung (F Tri-Adr, A Vie-Tri)!

Offensichtlich muß Österreich sich mit Rußland über Galizien einigen, wobei vage antitürkische Andeutungen dafür eine sichere Vorgehensweise sind. Andererseits wird Österreich wahrscheinlich keinem Mitspieler anvertrauen wollen, daß er den Eröffnungszug in die Adria machen will.

Italien wird natürlich über diese Wendung der Ereignisse nicht glücklich sein, und es ist sehr wichtig, wie Österreich mit diesen italienischen Gefühlen umgeht.

Jetzt wird klar, warum das Ganze eine österreichische Show ist. Österreich hält für die Herbstzüge 1901 alle Trümpfe in der Hand. Italiens Züge sind geradezu zwingend. Die Armee in Venedig muß halten und von der anderen Armee unterstützt werden. Das heißt, daß Italien mit seiner Flotte Tunis einnehmen muß.

Österreich wird vor den Hersbtzügen offensichtlich überhaupt nicht mit Italien reden wollen. Er könnte vielleicht kurz wiederholen, daß er (trotz der Eröffnung in die Adria) immer noch eine starke Allianz mit Italien bilden möchte. Er sollte das aber vielleicht in einer Weise tun, die durchblicken läßt, daß er nicht überrascht (oder enttäuscht) wäre, wenn der Italiener seinen Worten nicht glauben würde. Das Wichtige ist, daß Österreich will, daß Italien sich über die österreichischen Absichten nicht im Klaren ist. Es ist wichtig, daß Italien sich dazu gezwungen fühlt, Venedig zu verteidigen und aus dem Ionischen Meer abzuziehen.

Ja, Österreich will, daß Italien sich gezwungen fühlt, Venedig zu verteidigen, aber er will den Italiener auch verwirrt sehen. Wie ich schon sagte, sollten die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden minimal sein - Österreich möchte vielleicht sogar den Anschein erwecken, als vermeide er jede Unterhaltung mit Italien - aber die kurzen diplomatischen Noten, die wirklich geschrieben werden, sollten Sätze enthalten wie "Warum sollte ich dich davon überzeugen, mit einem klassischen Lepanto zu eröffnen, also Venedig zu halten und nach Apulien zu ziehen, wenn es meine Absicht war, Venedig anzugreifen?" Italiens Antwort kann nur sein, was Österreich hören will: "Weil du dachtest, du könntest mich so davon überzeugen, Venedig nicht zu verteidigen."

Es werden auch noch andere diplomatische Aufgaben zu lösen sein. Der Italiener könnte sich von dem Zug in die Adria so bedroht fühlen, daß er aktiv die Unterstützung von Rußland, der Türkei und Deutschland gegen etwas, das wie ein feindliches Österreich aussieht, zusammenbringt. Österreich wird diese Reaktionen ein bißchen dämpfen müssen, aber die Tatsache, daß das Spiel immer noch in der Eröffnungsphase ist (und angenommen, daß Galizien neutral geblieben ist), wird Rußland und Deutschland davon abhalten, irgendwelche Zugeständnisse zur Verteidigung Italiens zu machen.

Was die Türkei angeht: die werden wir später etwas genauer betrachten. Falls Italien türkische Sympathien erhält, sobald die Adria besetzt ist, sollte das dem Österreicher nicht allzu viele Sorgen machen, solange alles nach Plan läuft.

Beim Herbstzug folgt Österreich dem Italiener ins Ionische Meer, zieht Serbien nach Griechenland, und hält Triest entweder oder zieht diese Armee nach Albanien oder Wien.

Selbst jetzt ist Italien wahrscheinlich nicht dazu bereit, mit Österreich Freundschaft zu schließen. Eine österreichische Flotte im Ionischen Meer ist etwas, das keinen Italiener begeistern dürfte.

Österreich hat aber immer noch nichts gegen die Verwirrung des Italieners und sollte auch nichts tun, das helfen könnte, diese zu beenden. Der Grund dafür ist einfach: genauso wie nämlich die Herbstzüge Italiens erzwungen waren, ist dies auch der Aufbau. Italien muß sich jetzt um Dinge wie das Thyrrenische Meer Sorgen machen, und es muß nahe dieser Front aufbauen, um Österreich wieder aus dem Ionischen Meer zu vertreiben. Um neue Flotte in Neapel kommt es also nicht herum.

Glücklicherweise ist eine Flotte in Neapel genau der Aufbau, den Österreich gerne sieht. Deshalb würden konkrete Vorschläge und Zukunftspläne mit Italien nur bewirken, daß er sich weniger dazu gedrängt fühlt, in Neapel aufzubauen. Deshalb bietet sich erneute Stille zwischen Italien und Österreich an - jedenfalls solange, bis die Aufbauten gemacht worden sind.

Der österreichische Aufbau ist wahrscheinlich eine Armee in Budapest (oder Wien), aber falls Triest frei war, könnte auch ein Aufbau dort nützlich sein. Sollte jedoch die Eröffnung sich abspielen wie unten beschrieben, wird Österreich dafür nur zwei Einheiten brauchen, während die anderen beiden zur Verteidigung des Nordens bzw. an einer anderen Front zur Verfügung stehen. Deshalb hat der Aufbau keine Bedeutung für die hier beschriebene Eröffnung und kann unter Einbeziehung der Ereignisse in den anderen Staaten entschieden werden.

Es mag etwas seltsam erscheinen, eine Eröffnung pro-italienisch und pro-österreichisch zu nennen, wenn sie beiden Ländern nur einen Aufbau im ersten Jahr ermöglicht. Doch Österreich hat die oft durchgeführte Eroberung Griechenlands gegen eine sehr vorteilhafte Position eingetauscht. Mit einer Armee in Serbien und einer Flotte im Ionischen Meer hat er immer noch die Oberhand in der Schlacht um Griechenland. Italien fühlt sich freilich recht unsicher, was seinen Nachbarn angeht, aber nach dem Aufbau kann Österreich mit seinen Plänen herausrücken und der Italiener wird bald einige Gründe sehen, um sich besser zu fühlen.

DAS ZWEITE JAHR

Nach den Aufbauten 1901 erklärt der Österreicher Italien, daß seine Absicht bei der Einnahme des Ionischen Meers war, selbst ein Teil des italienischen Lepanto-Flottenkonvois und -Angriffs zu werden. Er sollte diese Erklärung sehr ausführlich machen, detailliert und überzeugend (weil er recht hat). Die Länge der Erklärung sollte einen deutlichen Unterschied zu der zuvor eingetretenen Stille in der Beziehung zu Italien erkennbar werden lassen. So sollte Italien von der Richtigkeit der Ausführungen überzeugt werden.

Es sollte nicht schwierig sein, die Erklärung lang werden zu lassen, weil es einige gute Dinge gibt, die man über diesen Plan sagen kann. In einem normalen Lepanto muß Italien beide Flotten dazu verwenden, einen Konvoi nach Syrien zu ermöglichen. Währenddessen steht die österreichische Flotte (die im ganzen Spiel so gut wie nutzlos ist) herum und versucht, sich wie eine Armee zu verhalten. Wenn man die kürzlich erschienenen, oben erwähnten Artikel in Betracht zieht, die fordern, daß Italien zu einem so frühen Zeitpunkt nicht unbedingt so große Anstrengungen auf eine anti-türkische Strategie verwenden sollte, sollte das österreichische Angebot, die Hälfte der für dieses Manöver notwendigen Seestreitkräfte zu stellen, willkommen sein. Der Österreicher sollte Italien erklären, daß es, wenn er eine der beiden Flotten für den Konvoi einer italienischen Armee nach Kleinasien stellt, eine der beiden italienischen Flotten näher an der Heimat lassen kann, wo sie verteidigen oder nach Westen ziehen kann.

Es gibt noch einen anderen genauso guten Grund, warum Italien die Hilfe der österreichischen Flotte begrüßen sollte. In einem normalen Lepanto baut der Türke, falls er vor dem Lepanto-Zug gewarnt worden ist, fast immer eine Flotte in Smyrna auf, so daß der Italiener im Frühjahr 1902 raten muß, ob nun East oder Aeg unverteidigt sein wird. Mit der Hilfe Österreichs entfällt auch dieses Problem!

Italien benutzt seine Flotte in Tunis und die neue Flotte in Neapel, um Österreich aus dem Ionischen Meer zu vertreiben. Österreich kann dann die Rückzüge benutzen, um in dasjenige der östlichen Seegebiete zu ziehen, das von der Türkei offengelassen wurde! Und schon ist Österreich nicht mehr eine Gefahr für Italien, sondern Teil der fertigen Konvoi-Kette eines normalen Lepanto. Der Türke ist wahrscheinlich sehr überrascht über den österreichischen Rückzug.

Nach diesem Zug können sich Italien und Österreich ihre Ziele aussuchen. Sie sollten sich zum Ziel setzen, bis Ende 1902 Griechenland erobert zu haben. Das sollte bei der guten Ausgangslage, die sie inzwischen haben, nicht schwierig sein. Österreich sollte das hoffentlich alleine schaffen (mit Einheiten in Serbien und Albanien), und wenn das klappt, kann der Konvoi sofort durchgeführt werden. Alternativ wäre ein unterstützter Angriff auf das Ägäische Meer denkbar.

DER TÜRKE

Wie würdest du, als Österreicher, mit der Türkei umgehen? Es scheint, daß es auf diese Frage viele verschiedene Antworten gibt, von denen jede ihre guten und schlechten Seiten hat.

1. Möglichkeit: Erzähl ihm, daß Italien ein Lepanto plant. Der Vorteil dieses Ansatzes ist, daß der Türke sich gezwungen fühlen wird, eine Flotte in Smyrna zu bauen, was dir dabei helfen wird, den Italiener davon zu überzeugen, daß er dich im Frühjahr 1902 aus dem Ionischen Meer vertreibt (so daß du dir jede offene Provinz als Rückzugsgebiet aussuchen kannst). Die schlechte Seite ist, daß der Italiener vom Türken erfahren könnte, daß du ihm den Lepanto-Plan verraten hast, und dann im Frühjahr 1901 eine andere Eröffnung wählt.

2. Möglichkeit: Erzähl ihm, daß du gegen Italien eröffnen wirst. Der Vorteil hier: du wirst sein Vertrauen gewinnen, wenn du dann tatsächlich Tri-Adr ziehst. Das könnte wichtig werden, falls Italien die Türkei nach dem Frühjahrszug 1901 um Hilfe bittet. Das Schlimmste, was der Türke im Herbst machen könnte, ist, Bul-Ser und Con-Bul zu ziehen, zwei Aufbauten zu bekommen, während Österreich Griechenlands besetzt. Das könnte man aber mit Tri-Ser verhindern, und selbst wenn die Türkei es schafft, 1901 sowohl Bulgarien als auch Serbien zu nehmen, sollte sie von der günstigen Position der italienisch-österreichischen Allianz aus wieder zurückgedrängt werden können (falls sie keine Hilfe aus Rußland erhält). Das ist aber trotzdem ein Manko, das man am besten vermeidet, deshalb willst du Bul-Ser verhindern. Wenn du dem Türken von deiner anti-italienischen Eröffnung erzählst, könnte das klappen, und außerdem unterbindest du eine allzu mitleidige Reaktion auf Italiens Hilfeschreie. Der Nachteil ist wieder das Risiko, daß der Türke deine Eröffnungspläne an Italien weitergibt. Das sollte aber zu schaffen sein. ("Liebes Italien, ich werde dem Türken erzählen, daß ich gegen dich eröffne, aber das tue ich natürlich nicht.")

3. Möglichkeit: Erzähl ihm, daß du ihn von Serbien aus nach Rumänien unterstützt. Das wirst du natürlich nicht tun, aber es könnte Bulgarien davon abhalten, nach Serbien oder Griechenland zu ziehen. Das Risiko ist, daß Rußland von diesem Versprechen erfahren könnte, aber auch das sollte durch gute Diplomatie entschärft werden können.

4. Möglichkeit: Erzähl ihm, daß du ihm Griechenland überläßt. Das ist wieder eine Lüge. Was du in Wirklichkeit tust, ist natürlich, ihn mit Ser-Gre zu blocken. Aber Griechenland der Türkei zu versprechen ist wahrscheinlich eine gute Idee. Es wird ihn davon abhalten, nach Serbien zu ziehen und zwei Aufbauten zu bekommen. Es wird deinen "Angriff" auf Italien echt aussehen lassen, weil es so erscheinen wird, als würdest du den Türken bestechen, nicht auf Italiens Hilferufe zu hören. Du kannst dem Türken sogar erzählen, daß du seine Armee in Griechenland mit Hilfe deiner Flotte im Ionischen Meer in Gebiete wie Apulien, Neapel oder Tunis konvoien willst.

DER RUSSE

Am Anfang des Spiels ist das einzige wichtige Thema, das Österreich mit Rußland diskutieren muß, Galizien. Andererseits sollte russische Hilfe, wenn die Türkei das Angriffsziel ist, nicht zurückgewiesen werden, und eventuell gefestigt werden, sobald der Plan öffentlich ist. Der Österreicher wird wahrscheinlich längerfristige Pläne mit Rußland machen, beispielsweise über eine Zusammenarbeit in Deutschland, wenn die Türkei abgefertigt ist. Auch alles andere, was hilft, damit Italien und Rußland das Sandwich mit Wiener Würstchen in der Mitte nicht unter sich aufteilen, sollte man als Österreicher tun.

Einer der Vorteile, die ein Lepanto für den Österreicher bringt, ist, daß Italien im Osten in einer Position ist, in der es nach dem Ende der Türkei auch an einem Angriff auf Rußland teilnehmen kann. Ohne Lepanto zieht bei einem Österreich-Italien-Rußland-Bündnis fast immer Österreich den Kürzeren. Beim Blue Water Lepanto ist italienische Hilfe gegen Rußland immer noch möglich, aber die Zahl der italienischen Einheiten im Osten, die Rußland nicht angreifen können, ist geringer, so daß Italien unterschwellig ermutigt wird, sich seinen nächsten Feind entweder in Rußland oder im Westen zu suchen.

MÖGLICHKEITEN

Dieser Artikel hat das Blue Water Lepanto als österreichische Eröffnung vorgestellt, die später zu einem gemeinsamen österreichisch-italienischen Lepanto wird. Im Grunde ist es immer am besten, sich alle Möglichkeiten offen zu halten. Obwohl diese Eröffnung sehr schön genutzt werden kann, um der österreichischen Flotte eine gute Position im Osten zu sichern (durch den Rückzug nach vorne), kann Österreich, dem das Ionische Meer bei dieser Eröffnung ja praktisch garantiert wird, ebenso die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit der Türkei (und Frankreich?) anstelle von Italien offen halten.

Selbst wenn er Italien vor dem Frühjahrszug 1902 informiert hat, kann der Österreicher seine aus dem Ionischen Meer vertriebene Flotte immer noch ins Thyrrenische Meer statt Richtung Türkei zurückziehen. Diese Strategie ist aber ziemlich tollkühn (was Italien auch sehen sollte, und sich deshalb eher der vorgeschlagenen Frühjahrszüge 1902 sicher sein wird), außer wenn unmißverständliche französische und/oder türkische Züge Richtung Italien erwartet werden können.

Jedenfalls sollte ein diplomatisch aktiver Österreicher (und alle Österreicher müssen so sein) die Vielzahl taktischer Möglichkeiten immer im Kopf behalten.

FAZIT

Beim Blue Water Lepanto übernimmt Österreich eine aktive Rolle im Eröffnungsangriff auf die Türkei. Durch diese Rolle gibt Österreich, in einem österreichisch-italienischen Bündnis traditionell die Landmacht, seinen Armeen bessere Möglichkeiten, indem es seine einzige Flotte für eine Konvoikette verwendet. Indem es die italienischen Züge im gesamten Jahr 1901 kontrolliert, versichert sich Österreich, daß Italien eine Flotte baut und so, trotz seiner beschränkten Mobilität im Osten, die Rolle der Seemacht einnimmt (was weniger bedrohlich für Österreich ist). Wenn die neue italienische Flotte aufgebaut wird, gibt Österreich ihr sofort etwas nützliches zu tun (und überzeugt dabei wiederum Italien, daß Österreich wirklich freundlich gesonnen ist, und das sich Italien daher auf die Meere und nicht auf das Land konzentrieren sollte). Schließlich ist das Arrangement auch noch gut für Italien, weil es ihm erlaubt, mit geringeren Kräften im Osten dasselbe Ergebnis zu erreichen. Das kann wiederum wieder dazu dienen, Italien zu einem Westfeldzug zu ermutigen, und Österreich kann rundum zufrieden sein.

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