European DipCon XII in Darmstadt: Ein Rückblick
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von Frank Bacher (bacher@graue-substanz.net)
 

Die EDC XII in Darmstadt ist nun Geschichte und, wie wir hoffen, ein Teil der Geschichte, auf den die meisten von euch mit positiven Gefühlen zurückblicken werden. Diesen Eindruck haben uns jedenfalls viele von euch gegeben. Als kleinen Ausdruck unserer Dankbarkeit wollen wir euch diesen Rückblick anbieten. Photos und Ergebnisse findet ihr auf der EDC-Website.


Donnerstag: Als sich all diese blutrünstigen und/oder kuscheligen Diplomaten zum ersten Mal trafen

Traditionell ist der erste Tag einer deutschen Con der Tag, an dem man trinkt, sich unterhält, und in einer freundlichen Atmosphäre Spiele ausprobiert, ohne gleich an einem Turnier teilzunehmen. Das gilt jedenfalls für alle außer den paar Jungs, die diesen besonderen Kick jeden Tag brauchen und sich dazu entschieden, an dem Machiavelli-Turnier teilzunehmen. Wir hatten das Gefühl, daß es ein guter Start in das Turnier war, erst einmal unter freundlichen Bedingungen zusammenzutreffen, ohne gleich seinen Nachbarn stabben zu müssen, obwohl natürlich einige nicht widerstehen konnten, trotzdem unser geliebtes Spiel zu spielen. Besonders interessant war die "Tradition", die an diesem Abend entstand, daß der Führende ein gelbes Trikot tragen mußte, eine Art Zielscheibe. Da es zu diesem Zeitpunkt noch keinen Führenden gab, mußte Yann Clouet, der Titelverteidiger, es tragen. Denen, die das etwas seltsam fanden, sei versichert, daß es nie so geplant war und einfach passierte. :D Eigentlich hätte der Turnierdirektor oder einer der Organisatoren es tragen sollen. Da aber keiner von uns allzu scharf darauf war, bekam es Yann, und von da an war es die ganze Zeit dabei. Wer weiß, vielleicht entwickelt sich daraus ja eine Tradition... Für manche war die erste Nacht schon eine lange, und die letzten Spieler begaben sich gegen 5 Uhr morgens zu Bett.


Freitag: Der Tag der Wahrheit, aber nicht des Waffenstillstands

Nach dem Frühstück, das für einige, wenn nicht für die meisten, viel zu früh stattfand, begann das Turnier endlich. Doch Monsieur Clouet mit seinem "neuen" Shirt tauchte überraschend nicht auf und entschied sich, stattdessen länger zu schlafen. Aber es tauchten dennoch genug Spieler auf, um die beeindruckende Zahl von neun Brettern zu füllen. Nach der ersten Runde gab es eine neue Zielscheibe: Doug Massie übernahm in beeindruckender Weise die Führung, indem er als Deutschland einen 15-7-6-5-1-Sieg holte. Nach soviel Aufregung und Streß war es für die Spieler an der Zeit, sich zu erholen, während sie auf das Barbecue warteten, das kurz darauf angesetzt war. Einige der ganz Sportlichen konnten jedoch nicht davon abgebracht werden, ein Fußballspiel zu starten, und das auf einem Feld, das wegen des Regenwetters eher einem Schlammtümpel glich.

Nachdem die ersten ungefähr 20 Spieler aufgetaucht waren, begannen wir an den Grillen zu begreifen, worauf wir uns mit der Aufgabe, 80 hungrige und gefährliche Stabber zu füttern, eingelassen hatten. Und was noch schlimmer war: Sie hatten jetzt alle Waffen und wollten etwas zu Essen... Irgendwie überlebten die Jungs und Mädels an den Grillen aber den Ansturm und schließlich war jeder gefüttert und bereit, es wieder krachen zu lassen. Mit leichter Verspätung wegen des Staus an den Grillen begann endlich die zweite Runde (wobei die Messer zum Glück in der Küchen zurückgelassen wurden...). Wie es schien, hatten sich einige Diplomaten überfuttert, denn in dieser Runde gab es einige sehr gute Ergebnisse. Der Beste war dieses Mal Fredegone Hendrake (F) mit 47.018 Punkten aus einem 14-8-6-5-1-Sieg als Frankreich. Insgesamt gab es jedoch weniger hohe Siege und weniger Bretter (sieben), wahrscheinlich weil alle zu viel gegessen hatten und keinen Killer-Instinkt mehr besaßen. Nach den nun schon gewohnten Spielen war wieder Trinken und Unterhaltung angesagt, während Gerüchte sie Runde machten, daß einige Spieler ziemilch früh ins Bett gingen...


Samstag: Noch eine Möglichkeit für viele fiese Stabs

Wieder gab es ein frühes Frühstück und danach startete die erste Runde, die Teamrunde. Obwohl schon zehn Bretter zusammen waren, schien es, als ob einige Spieler nicht genug geschlafen hätten (oder vielleicht waren einige wegen der Team-Sache übermotiviert...), denn in dieser Runde gab es mehr ungewöhnlich hohe Ergebnisse als in den anderen. Das beste schaffte Edi Birsan mit 50.503 Punkten durch einen 15-9-5-4-1-Sieg als Italien, aber es gab auch noch zwei weitere Ergebnisse über 47 Punkten: Cyrille Sevin (15 Zentren als Türkei) und Vincent Carry (14 Zentren mit England). Erstaunlicherweise war es ein Team namens "Five in a Row", das die Teamrunde gewann. Es hatte sich so genannt, weil es schon die letzten vier Team-Wettbewerbe gewonnen hatte. Gut geraten: sie lagen richtig! Glückwunsch an Yann Clouet (F), Cyrille Sevin (F) und Fearghal O'Donnchu (IRE, besser bekannt als Twerg). Nach der ersten Runde stand das erste Treffen der EDA (European Diplomacy Association) an. Die niederländischen Diplomaten stellten ihre Bewerbung für die EDC 2005 vor, die von allen Spielern begrüßt und angenommen wurde. Danach nahmen sich die meisten Leute ein wenig frei, während einige sich in kleineren Arbeitsgruppen zusammenfanden, um Fragen wie Administration und Webpräsenzen zu klären. Nach dem Essen stand eine weitere Runde Diplomacy auf dem Programm. Nun werden viele denken, "Moment mal, das sind jetzt doch schon vier Runden, und dann gibt es ja auch noch eine am Sonntag morgen?" Richtig, aber die Spieler konnten nur an vier Runden teilnehmen, von denen die besten drei Ergebnisse in die Gesamtwertung eingingen.

Der Trend setzte sich jedenfalls fort und weniger Spieler trugen sich für die Spätrunde ein, die gegen 1 Uhr morgens enden sollte. Diese Runde war die einzige, in der es kein Ergebnis über 40 Punkten gab. Das beste hatte Frank Oschmiansky (D) mit 39.544 in einem 12-9-6-3-2-2-Sieg als Frankreich. Nach dieser Runde übernahm Frank auch gleich das gelbe Shirt, aber er würde am Sonntag nicht mehr spielen... Einige Spieler begaben sich unterdessen nach Darmstadt, um sich dort in den Kneipen und Clubs zu vergnügen; insgesamt aber weniger als erwartet. Diejenigen, die ausgingen, kamen jedenfalls glücklich zurück und hatten viel Spaß.


Sonntag: Gewinnen oder nicht gewinnen...

Das war hier die Frage für die zehn bis 15 Spieler, die auch ohne Einzelsieg noch eine gute Chance auf den Titel hatten. Und es zeigte sich, daß es in dieser Runde mehr hart umkämpfte Spiele gab, mit nur einem hohen Ergebnis, das Simon Bouton als England mit einem 15-9-7-3-Sieg und 49.183 Punkten erzielte. Schon vorher stand fest, daß man zumindest drei sehr starke Ergebnisse über der 30-Punkte-Grenze brauchen würde, um den Gesamtsieg zu erringen; eventuell sogar eines über 40 Punkten.

Und so geschah es, daß ein Amerikaner den europäischen DipCon-Pokal mit nachhause nahm:

Glückwunsch an Edi Birsan, der mit fantastischen 120 Punkten alle europäischen Diplomaten stabbte und düpierte, aber auch Glückwunsch an Gihan Bandaranaike (GB, 111 Punkte) und Demis Hassabis (GB, 100 Punkte), die Zweiter und Dritter wurden. Dahinter schafften es auf den Plätzen vier bis sieben vier Deutsche unter die besten Sieben. Als gute Gäste überließen wir die Pokale natürlich unseren Gästen. :-) Alle anderen Auszeichnungen und die genauen Ergebnisse findet ihr auf der EDC-Website.


Fazit

Wow, vier Tage mit 79 Spielern an insgesamt 41 Brettern. Wie wir während dem Turnier hörten und spürten, hatten sie alle viel Spaß und genossen die Spiele und die Atmosphäre. Wir hoffen, daß alle mit einem guten Gefühl aus Deutschland zurückkehrten, und natürlich mit dem VOrsatz, beim nächsten Mal, oder zumindest zur WDC 2006, wiederzukommen. Wir möchten allen deutschen und ausländischen Gästen noch einmal dafür danken, daß sie teilgenommen und das ganze Wochenende über für eine so nette Atmosphäre gesorgt haben. Ebenso möchten wir all den guten Seelen danken, die uns vor, während und nach dem Turnier geholfen haben. Wir, die Organisatoren, und das gesamte deutsche Hobby freuen uns auf jeden Fall darauf, euch sobald wie möglich wieder zu begrüßen. Und wir werden natürlich versuchen, die Cons in euren Heimatländern zu besuchen. Alle, die nicht da waren, sollten sich von einem der Teilnehmer erzählen lassen, was sie alles verpaßt haben. ;-) Auf Wiedersehen bei der WDC 2006 in Berlin!


Der Vorstand des Deutschen Diplomacy-Bundes für alle Mitglieder und das deutsche Hobby