Teamdiplomacy

Gemeinsam siegen - mehr Spaß am Spiel
ZURÜCK

von Stefan Giesbert (Stefan.Giesbert@gmx.de)
 

Es gibt in der Diplomacy-Gemeinschaft keinen Spieler der je gegen mich (oder mit mir - je nachdem wie man das sieht) gespielt hat und trotzdem wird der eine oder andere schon einen Dolch in den Rücken bekommen haben, den ich mitgeführt habe. Hier möchte ich erläutern wie ich in den Genuss komme, an diesem Spiel teilzunehmen und trotzdem mal zwei Wochen keine Mails schreiben muss, wenn ich nicht die Zeit oder Muße dafür habe.

Es gibt da mehrere Möglichkeiten, die ich gemeinsam mit Freunden und meinem Bruder betreibe. Zum einen kann man gemeinsam über einen Account spielen und dabei die anzuschreibenden Länder einfach aufteilen. Auf der anderen Seite kann man auch nur als "Berater" fungieren und wird in Mails als z.B. Bismarck erwähnt und für böse oder verrückte Vorschläge vorgeschickt oder versendet unter eigenem Namen Mails – abgesprochen natürlich. Als dritte Variante steht man einfach für schwierige Situationen zu Verfügung und wird vom Spieler angerufen oder angemailt und überlegt sich dann – ohne sich der ganzen politischen Verzwickungen bewusst zu sein – Züge, die vielleicht eine gute Wendung im Spiel bringen. Oder man liest Mails mit und kann dann auch mal ohne Probleme Urlaubsvertretung machen. Das funktioniert sogar wunderbar für Spielleitertätigkeiten. Ich will jetzt die Varianten im Einzelnen erläutern und Tipps zum Vermeiden der gröbsten Fehler geben. (...von denen mir viele schon passiert sind!)


Gemeinsam über einen Account spielen

Diese Variante eignet sich besonders gut, wenn zwei Spieler nicht unbedingt genug Zeit haben, das Spiel in seinem vollen Umfang zu spielen, es aber trotzdem versuchen wollen. Der Trick ist hierbei, dass man einfach mit einem Freund oder Verwandten zusammen ein Land spielt. Das funktioniert wunderbar, indem man für das neue Spiel einen Account bei GMX oder einem anderen kostenlosen Email-Provider mit pop3 Abrufmöglichkeit anlegt. Jetzt kann jeder Mitspieler mit einem Email-Programm seiner Wahl (Outlook, Pegasus, ...) ein neues Konto anlegen und dort Emails holen und schreiben. Achtet unbedingt darauf, dass ihr den gleichen Absendernamen eintragt. Und das aller wichtigste ist, dass man einstellt, dass die Mails auf dem Server gelassen werden – GMX löscht sie eh nach 30 Tagen. Macht man das nicht, kann immer nur einer die ankommenden Mails lesen! Vor Spielstart muss man genau festlegen, wer mit wem kommuniziert. Nichts ist peinlicher, als eine Antwortmail zu bekommen, in der man gefragt wird, ob man schizophren sei, weil man einem Mitspieler doppelt geschrieben hat. Jeder, der eine Mail an einen Mitspieler schreibt, setzt die eigene Adresse in die Blindcopy-Zeile, damit der Partner auch lesen kann, was zum Beispiel dem Engländer geschrieben worden ist!

Sobald das Spiel gestartet ist, muss man sich natürlich regelmäßig über taktische Ziele und die Vorgehensweise austauschen. Natürlich kann vor dem Spiel schon ein grundlegende Eröffnung besprochen werden, aber wie ihr alle wisst, kann sich so was immer sehr schnell ändern. Gute Erfahrung haben wir gemacht, wenn man Mails immer an den anderen schickt, mit der Bitte gegenzulesen und dann rauszuschicken! Die Gegner (oder Mitspieler) wissen ja nicht von wem die Mail jetzt gekommen ist. Man kann damit erst mal Rechtschreibfehler (Tyn statt Tyr, usw.) und natürlich auch eventuell Stilfehler, die zu Nachteilen führen könnten, ausmerzen.

Achtung: Bei einigen Anbietern ist es nicht erwünscht, unter "falschem" Namen zu spielen. Obwohl die von mir vorgeschlagene Variante nichts mit Betrug durch Doppelaccounts zu tun hat, kann es trotzdem sein, daß man sich in eine Grauzone begibt. Das sollte man vorher abklären.


Bismarck – der selbstständige Berater im Hintergrund

Bei dieser Variante bekommt man vom Hauptspieler hin und wieder oder regelmäßig Kopien von Mails zugeschickt, um über den ungefähren Spielverlauf informiert zu sein. Sollte dem Mitleser eine gute Idee einfallen, die das Blatt wenden kann oder große Vorteile bringt, schickt man einfach eine Mail an den Spieler. Der Spieler kann dann auf diese Mail reagieren und die enthaltenen Informationen einsetzen, vielleicht sogar mit dem Hinweis "Meine Berater haben mir eben das Folgende empfohlen" versehen. Oder, und das ist der Grund für die Namensgebung, er leitet die Mail von seinem Bismarck (evtl. etwas frisiert) an den Mitspieler weiter und fragt ihn, was er von diesen Vorschlägen hält.

Ein noch schönere und von mir bevorzugte Variante ist, dass dieser Berater nach Absprache mit seinem Regierungschef eine Mail mit den Ideen an den Gegenspieler und den Regierungschef schickt. Es wirkt häufig viel besser auf den Mitspieler, wenn die Mail von einem Dritten kommt, und er denkt ganz anders darüber nach.


Berater in schwierigen Situationen – Consulting

In dieser Variante fühlen sich besonders Schachfreunde sehr wohl. Der Hauptspieler, der die Zeit und Nerven hat, jeden Tag Diplomatie mit den verschiedenen Nationen zu betreiben, kann in schwierigen Situationen eine kurze Mail an seinen Consultant schreiben mit einer kurzen Beschreibung der Situation und der Bitte um Hilfe. Dann wird der Angeschriebene sich die Karte anschauen und die seiner Meinung nach besten Züge überlegen. Dabei ist er nicht - wie der Spieler - an diplomatische Verwicklungen gebunden. Er kann also rein aus taktischen Gesichtspunkten eine Strategie entwickeln. Wenn die Möglichkeit besteht, das mit dem Spieler telefonisch zu besprechen, kann man die diplomatischen Bindungen nun noch in die Strategie mit einbeziehen. Natürlich ist dies auch per Mail oder ICQ möglich, dauert aber länger. Diese Art der Taktikplanung dient besonders dazu, mal einen komplett anderen Blickpunkt auf das Spielfeld zu erlangen. Dem Spieler wird durch die Gespräche oder den Mailaustausch mit seinem Partner vielleicht der entscheidende Hinweis auf einen optimalen Stab oder einen unerwarteten Konvoi gegeben.

Man kann natürlich auch den Helfer bitten, sich eine Strategie für einen Gegner zu überlegen. Das kann auch zu sehr guten Hinweisen führen, was der Gegner vor hat. Ich habe von einem Bekannten erfahren, der sich für eine NoPress-Partie angemeldet hat und in dieser Partie in einem Großteil der Züge von einem Bekannten unterstützt wird. Der Helfer ist ein großer Schachfreund und ihm macht es viel Freude, über die besten Strategien zu grübeln.

Bei dieser Variante ist es sehr wichtig, dass der Spieler das letzte Wort hat und der Helfer sich selber nicht zu wichtig nimmt. Sonst passiert es leicht, dass man in richtigen Streit gerät und ein gutes Vorankommen nicht gesichert ist. Ein Streit ist nicht unbedingt schlecht – man sollte nur darauf achten, dass es nur ein Spiel ist!


Urlaubsvertretung

Diese letzte Variante ist besonders im Sommer oder über die Weihnachtszeit sinnvoll. Eine Zeit bevor der Spieler in den Urlaub fährt, wird dem Helfer Zugang zu den Mails beschafft und er wird in die aktuelle Situation des Spiels eingebunden. Dann kann er mal für ein paar Wochen selber Diplomacy spielen und in den vollen Genuss dieses wunderbaren Spiels kommen, und das Spiel und die anderen Mitspieler leiden nicht unter dem Urlaub des Spielers.

Hierbei ist jedoch unbedingt darauf zu achten, dass man vor dem Urlaub festlegt, wie die Strategie weitergehen soll und welche Kompetenzen dem Helfer gegeben werden. Es ist nämlich schon vorgekommen, dass der Spieler aus dem Urlaub kam und das Spiel als zweiter beendet hatte, aber gewinnen oder untergehen wollte. (Nein, ich war es nicht!!) Also ist es am besten, hier genau abzusprechen, wie es weitergeht. Eventuell muss man im Urlaub mal Kontakt aufnehmen... Fast ohne Einarbeitung und Absprachen funktioniert das natürlich auch für Spielleiter, die mal Ruhe brauchen.


Ich hoffe, dass ich hier einige Anregungen geben konnte, wie man mit wenig Zeit trotzdem in den Genuss dieses Spiels kommen kann. Über Zuschriften und Diskussionen würde ich mich sehr freuen!

ZURÜCK