Aller Anfang ist schwer

oder: Wie der Deutsche Diplomacy Bund das Licht der Welt erblickte
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von Sascha Hingst
 

Beginnen wir in Leipzig, in einer kleinen Gastwirtschaft, an einem kalten Wintertag. Drinnen im "Mariengarten" war's warm und da saßen sie: 36 Spieler, 36 Enthusiasten, 36 Männer (weil dieses Spiel eben doch meist - wenn auch nicht nur - von Männern gespielt wird). Und da gründeten sie ihren ersten gemeinsamen Dachverband. Ein historisches Datum, dieser 28. Januar 1900. Die Geburtsstunde des Deutschen Fußball-Bundes.

Höre ich da eine Frage? Was hat der DFB mit Diplomacy zu tun? Nun: nichts, reinweg gar nichts. (Wenn man vielleicht davon absieht, daß hier wie dort ein Foul nur Erfolg hat, wenn man es geschickt verschleiert.)

Eines aber haben die 36 (S)Zocker damals bewiesen: große Dinge fangen gerne klein an.

Womit wir auch schon beim 5. Oktober 2002 wären. Auch ziemlich kalt. Im "Dürerhof" in Waldkappel sitzen sie: 33 Spieler, 33 Enthusiasten, 32 Männer und eine Frau - womit zwei Dinge bewiesen wären. Erstens: Fußball war von Anfang an ein geringfügig größerer Breitensport als Diplomacy. Und zweitens: Dafür haben wir mehr Erfolg bei den Frauen (Danke, Diana!).

Da also saßen sie und gründeten ihren ersten gemeinsamen Dachverband, den Deutschen Diplomacy Bund, kurz DDB. An dieser Stelle wäre nun Gelegenheit, den geneigten Leser mit Details der laaangen Diskussionen um die Satzung zu beglücken (siehe Überschrift). Aber ich belasse es mal bei dem Hinweis: die Satzung findet sich auf der Homepage des DDB (www.diplomacy-bund.de).

Reden wir lieber über die Zukunft. Was will der DDB? Nun, zunächst mal will er ein Dach sein, unter dem sich ALLE wiederfinden. Die Ludomaniacs, die DEACler, die grauen Substanzen, die Unabhängigen, die Einzelkämpfer. Und weiter?

  • Er soll die Kontakte zwischen dem deutschen Hobby und dem Ausland stärken. Vor allem im FTF-Bereich, denn in Sachen E-Mail sind die Kontakte vorhanden und gut.
  • Er soll koordinieren und unterstützen: wenn Spieler ein neues Turnier veranstalten wollen, wenn Anfänger Mitspieler suchen (mit Hilfe einer FTF- und E-Mail-Spieler-Datenbank), wenn bestehende Gruppen Unterstützung wollen. Letzteres heißt zum Beispiel: der DDB wird den Organisatoren der DipCon auf deren Wunsch viel Arbeit abnehmen.
  • Er wird einen Fonds einrichten, der - vor allem aus Spenden finanziert - Spielern, die wenig Geld haben, die Reise zu FTF-Turnieren ermöglicht.
  • Er kann die Gruppen-Mitgliedschaft beim Deutschen Jugendherbergswerk erlangen. Auf diese Art kommen wir preiswert an Veranstaltungsorte für Turniere und Treffen. DipCon VII wird das voraussichtlich nutzen.
  • Wichtig ist aber auch, was der DDB nicht soll: sich in bestehende Spielvereinigungen einmischen. Ludo, DEAC und andere funktionieren gut und das muß auch so bleiben. Da wird der DDB nicht rumpfuschen. Würden sich die Bayern vom DFB ja auch nicht bieten lassen, oder?!

    Der DDB wird in Kürze als eingetragener Verein registriert - beim Vereinsregister Frankfurt am Main, da wo - welch Zufall - auch der DFB sein Zuhause hat. Eine Homepage hat er schon, erste Mitglieder natürlich auch, und natürlich einen Vorstand. Dessen Vorsitzender ist André Illievics (andre@diplomacy-bund.de).

    An dieser Stelle sollten wir noch mal auf den Fußball zurückkommen: im Jahr 2006 richtet der DFB eine Weltmeisterschaft aus. Schön. Es ist ja auch schon die zweite, man erinnere sich an das Finale von München. Das war 1974. Also haben unsere Fußball-Freunde 74 Jahre gebraucht, um die Championships ins eigene Land zu holen. So lange wollen wir nicht warten. Eine der wichtigen Aufgaben des Deutschen Diplomacy Bundes soll es sein, die große internationale FTF-Szene auf uns aufmerksam zu machen (und uns auch auf die?). Jedenfalls gibt es erste Kontakte und sehr gute Chancen, daß vielleicht schon 2006 eine Europameisterschaft bei uns stattfinden könnte. Da sollte die *ganze* Welt dann auch nicht 74 Jahre warten müssen, oder?

    Und noch ein Blick auf die Spieler mit dem runden Leder: der DFB ist heute der größte Sportverband Europas. Ich weiß nicht, ob wir uns nun gleich solch hohen Ziele stecken sollten, aber zumindest eines ist klar: ein Verein lebt von seinen Mitgliedern. Und nur wenn die engagiert mit dabei sind, leben die Mitglieder auch vom Verein. Deshalb freut sich der DDB auf jeden Diplomaten, der mitmacht. Selbst wenn er nur brav seinen (kleinen) Beitrag zahlt, hilft er, das Hobby zu fördern. Wer weiß, vielleicht ist ja unser Dachverband irgendwann mal so stark wie der französische, der es immerhin schafft, den dortigen Judge finanziell zu unterstützen (Serverprobleme sind ja auch hierzulande nicht unbekannt, gell?).

    Mitglied im DDB kann - laut Satzung - jeder werden, der in Deutschland, Österreich und der Schweiz wohnt. Solange es in Österreich und der Schweiz keine eigenen Verbände gibt, macht es Sinn, daß sie bei uns mitmachen, schließlich spielen wir ja auch alle zusammen.

    Übrigens: 1900 gab es den Deutschen Turner-Bund bereits 52 Jahre, mit Tausenden von Mitgliedern. Heute ist er nicht halb so groß wie der DFB - man sieht: nur weil die einen schon groß sind, heißt es noch lange nicht, daß wir sie nicht überholen können...

    In diesem Sinne wünscht fröhliches Foulen, pardon, Stabben:
    Euer Sascha

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